Test des Mark V von Gameface Labs
Das Gameface ist mehr als nur ein Head Mounted Display.

Test des Mark V von Gameface Labs

Neben der Oculus Rift ist wohl das Gameface der gleichnamigen Labs der heißeste Anwärter auf Head Mounted Display des Jahres. Sozusagen in öffentlicher Heimlichkeit trafen wir uns mit dem CEO Ed Mason in Kalifornien und durften das Gameface ausprobieren. Gleich zu Beginn unseres Treffens stellt Mason gleich klar, dass es sich beim Gameface keineswegs um ein Head Mounted Display, also HMD, sondern um eine Head Mounted Console (HMC) handelt. Zuerst wollen wir dieser Linie nicht folgen, aber im weiteren Verlauf überzeugte uns das Gameface davon, dass es mit einer Oculus nur bedingt etwas gemein hat.

Momentan kommt das Gameface noch sehr wuchtig daher. Es ist von den Dimensionen bei weitem größer und vor allem schwerer als alle bislang getesten HMDs. Das liegt noch am Prototypen-Stadium des Mark V. Wie der Name schon sagt, ist es der fünfte Prototyp. Zum Vergleich können wir auch das Mark IV ausprobieren, das ungefähr Größe und Chic des DK2 von OculusVR hat. Ziel ist es das Mark V wieder in diese Dimensionen zu verkleinern, aber dazu wartet Mason noch auf die nächste Generation des Tegra K1 von Nvidia. Der sei momentan noch für das große Gehäuse verantwortlich, genauso wie das derzeit verwendete Samsung LCD, das noch im Mark V steckt.

Irgendwann zwischen August und Spätherbst möchte Gameface Labs mit einer Kickstarter-Kampagne den Development Kit ankündigen. Der soll dann zwei wesentliche Veränderungen mit sich bringen. Das Samsung LCD wird durch hochauflösende Pentile OLEDs ausgetauscht und auch der K1 soll im Development Kit auf ein kleineres PCB passen. Dadurch wird das HMC wieder bequemer und leichter. Außerdem rutschen noch stereoskopische Kameras auf Augenposition um auch eine Augmentierung der echten Welt zu ermöglichen, bzw. interaktive Elemente von der echten in die virtuelle Realität zu transportieren.

Für den Test lassen wir mal diese Änderungen außer acht. Bislang trägt sich das Gameface nicht wirklich unbequem, trotz des hohen Gewichts. Abgesehen davon, lässt das Display das Gewicht schnell vergessen. Mit 140 Grad horizontal ist das Sichtfeld angenehm groß, doch noch beeindruckender ist die Auflösung. 2,5k liefert das LCD. Die erste Demo ist ein Ballon-Flug, ein cooler Ausblick auf virtuellen Tourismus. Der VR-Reisende steigt in einem Heißluftballon auf und entschwebt über wunderschöne Landschaften Südenglands. Von Anfang an hat der Seher den Eindruck durch ein Fenster zu blicken. Ein Raster ist nur mit größter Mühe und reichlich schielen überhaupt noch zu entdecken. Hier spielt das Gameface seine 2560×1440 Bildpunkte maximal aus.

Als statischer Beobachter könnte das Erlebnis nur noch in Nuancen besser werden. Allerdings geht es nicht um statische Beobachter und hier liegt derzeit noch die einzige nennenswerte Schwäche des Mark V. Das LCD zeigt die Bilder kontinuierlich an. Das verursacht inbesondere bei schnelleren Kopfbewegungen heftige Nachwisch-Eindrücke. Diese sind nicht technisch bedingt, sondern in unserem Sehen begründet. Zum einen können wir in einem echten Kopfschwenk nicht ständig fokussieren (was wir mit einem HMD durchaus können), zum anderen erzeugen Leuchtpunkte einen „Geistereffekt“ auf unseren Sehnerven. Um das auszugleichen nutzen viele TV-Geräte-Hersteller und zum Beispiel auch die Konkurrenz von OculusVR eine Schwarz-Frame-Injektion: jedes zweite Frame ist schwarz. Bewusst nehmen wir diesen „Löschvorgang“ nicht wahr, aber in unserer optischen Wahrnehmung verringert sich die Bewegungs-Unschärfe von Objekten.

Das Prinzip ist Gameface Labs durchaus bekannt, wird aber im Proto des Mark V nicht mehr umgesetzt. Daran möchte man sich machen, wenn die neuen OLEDs für den Development Kit eingebaut werden.

Warum jetzt aber Head Mounted Console und nicht Head Mounted Display? Mit dem Tegra K1 ist es möglich auf vier Arten das Gameface zu nutzen. Zuerst können natürlich Inhalte wie gewöhnlich via HDMAI eingespielt werden. Außerdem können zum Beispiel Filme auf SD-Karte kopiert und in den integrierten SD-Leser gelegt werden. Aber jetzt kommen die Vorteile der Nvidia-Technik:

  • Das Gameface kann Spiele wireless vom heimischen PC streamen.
  • Es können Spiele aus dem Internet (Game-Streaming) direkt auf die Konsole gestreamed werden.
  • Und letztlich ist das Gameface auch eine voll funktionsfähige Android-Konsole.

Um letzteres zu demonstrieren lädt Mason einen speziellen Treiber und wir spielen Grand Theft Auto in der Android Version (San Andreas). Der Treiber schaltet sich zwischen Spiel und Ausgabe-Einheit und simuliert stereoskopische Informationen. Das Ergebnis sieht vielversprechend aus. Es fällt praktisch nicht auf, dass das Spiel nicht für die VR geschrieben wurde. San Andreas ist nun virtuell begehbar. Noch sei der Treiber nicht ganz ausgereift, betont Mason. Uns fällt allerdings nichts auf, was ein Spielerlebnis trüben könnte. Die Steuerung erfolgt mit einem Standard-Controller (Dualshock 3 von Sony) und auch die Gyros der HMC arbeiten einwandfrei. Bewegungs- und Blickrichtungen können fein aufeinander abgestimmt werden.

Mit dem integrierten Akku hält das Gameface Mark V fast fünf Stunden durch, bevor es wieder ans Ladekabel muss.

Fazit

Das Gameface liefert derzeit die beste statische Immersion am Markt. Der Bildeindruck ist so gewaltig, dass die Grenze zwischen Realität und VR-Headset komplett verschwimmt. In der Bewegung bleibt noch etwas Luft für Verbesserungen. Die richtigen Stellschrauben haben die Gameface Labs schon identifiziert. Die Klassifizierung als Head Mounted Console können wir ob der Tests und der wirklichen kabellosen Autonomie der Konsole nachvollziehen. Das Gameface ist gewaltig und schafft es bei uns auf Anhieb in unserer Beliebtheitsliste in die Top 3. Setzt Ed Mason alle Ankündigungen im Development Kit um und die Consumer Version erscheint wie angekündigt Ende nächsten Jahres, steht den Spielern eine harte Entscheidung bevor. OculusVR bleibt auf jeden Fall keine Zeit, sich auf den frühen Lorbeeren auszuruhen. Die Verfolger schließen schnell auf.

 

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