Die Zukunft ist 3D

Erstes 3-D-Live-Konzert der WeltJosef Kluger, 51, ist Regisseur und Produzent der KUK Filmproduktion in München. Ausgehend von seiner Arbeit im Bereich der Eventfilme, Themenparkfilme und Spezialformate für Weltausstellungen mit 360-Grad-Projektion begann er bereits vor zehn Jahren mit der Herstellung von 3D-Filmen. Seither engagieren er und seine Firma sich intensiv auf diesem Sektor. Bei der Weiterentwicklung und Erprobung der 3D-Technik arbeitet Josef Kluger eng mit mehreren Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft zusammen.

Fraunhofer-Experten erhofften sich den Durchbruch beim 3D-Kino für das Jahr 2010. Hat sich diese Hoffnung aus Ihrer Sicht bewahrheitet?
Das Wort Durchbruch ist vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen. Es handelt sich mehr um einen Prozess, aber der ist auf einem guten Weg. Was sich im Vergleich zum Vorjahr getan hat, kann man leicht erkennen, wenn man in einen Elektromarkt geht: Inzwischen gibt es eine große Anzahl von 3D-Fernsehgeräten für den Verbraucher. Das heißt, jeder kann sich ein solches Gerät ohne erheblichen Mehrpreis anschaffen. Auch die Abspielgeräte, also die Blu-ray-Geräte, sind 3D-fähig geworden, und es gibt erste Internetportale, auf denen man sich 3D-Inhalte herunterladen kann. Zusätzlich hat Sky Mitte Oktober 2010 in Deutschland einen 3D-Kanal eröffnet. Auch die Anzahl der 3D-fähigen Kinos steigt kontinuierlich.

Sie arbeiten eng mit Fraunhofer zusammen und haben technische Systeme gemeinsam entwickelt. Worum handelt es sich?
Im Rahmen des Forschungsprojekts PRIME (PRoduktions- und Projektionstechniken für Immersive Medien), das vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) gefördert wird, wurden vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz HHI in Berlin und vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen Systeme und Verfahren für die 3D-Aufnahme und -Wiedergabe entwickelt oder verbessert. Eine wesentliche Entwicklung hierbei ist STAN, der Stereoscopic Analyzer. Das ist ein System, das sowohl am Drehort dem Kameramann hilft, seine Kameras perfekt für 3D zu justieren, als auch die perfekte Justage der 3D-Szenen bei Live-Übertragungen möglich macht. Bei diesem Projekt waren wir Mitentwickler und haben unsere praktischen Erfahrungen beigetragen; wir konnten die Anforderungen und Schnittstellen definieren und Leistungskataloge erstellen.

Und Sie haben auch gemeinsam Filmprojekte erarbeitet.
Ja. Wir waren an der ersten großen deutschen 3D-Produktion wesentlich mit beteiligt, das war die Live-Übertragung eines Konzerts der Hiphop-Band „Die Fantastischen Vier“ in Halle über Satellit an 91 Kinos in fünf Ländern. Die Aufnahme ist mittlerweile als Blu-ray erschienen, und weitere werden folgen. Und kürzlich haben wir zusammen mit dem HHI eine Dokumentation der Probenarbeit der Berliner Philharmoniker erstellt. Außerdem haben wir für Fraunhofer zur CeBIT 2011 einen Imagefilm in 3D gedreht, der exemplarisch verschiedene Forschungsgebiete zeigt. Wir haben dabei festgestellt, dass auch in der Forschung die 3D-Darstellung häufig ein wichtiges Hilfsmittel ist. Das können wir in einem 3D-Film natürlich besonders eindringlich vorführen.

Wird es eines Tages genauso einfach sein, einen Stereofilm zu drehen wie einen konventionellen Film?
Sicherlich nicht in den nächsten fünf Jahren. Aber die Industrie ist bestrebt, Geräte zu entwickeln, die es dem Laien so einfach machen wird wie jetzt das Drehen von Videofilmen. Aber es ist trotzdem ein gewisses Fachwissen erforderlich, um 3D-Bilder richtig zu gestalten. Und es ist nicht so einfach, dieses Wissen in Automatikfunktionen zu implementieren. Man muss viel beachten, viel mehr als beim 2D-Film. Das ist ein komplexes Feld. Das gilt übrigens auch für den Profibereich. Die Technik ist heute schon größtenteils vorhanden, aber wir haben noch viel zu wenig fachlich ausgebildetes Personal dafür.

Wie viel mehr kostet ein 3D-Film im Vergleich zu einer konventionellen Produktion?
Das ist abhängig von der Budgetgröße. Bei großen Filmen fällt das nicht so sehr ins Gewicht, bei kleinen mehr. Man hat eine Bandbreite zwischen 10 und 30 Prozent. Aber das ist im Grunde kein Problem, denn man muss 3D als Mehrwert verstehen, ähnlich wie wenn man einen teuren Star einkauft.

Braucht der Normalbürger für sein Pantoffelkino wirklich 3D?
Genau dasselbe Argument kam von den Skeptikern, als es darum ging, den Tonfilm einzuführen oder den Farbfilm. Aber ich denke, die Bedenkenträger sind durch die Entwicklung schon zum Schweigen gebracht. Was immer an zusätzlichen Sinneseindrücken dem Filmemacher hilft, seine Geschichte zu unterstützen, ist gut. Wenn es nicht erforderlich ist, wird er es weglassen. Es gibt auch heute noch Filme, die in Schwarz-Weiß gedreht werden, und es gibt Filme, die teilweise auf Ton verzichten. Das Reduzieren ist immer möglich.

Aber warum soll man nicht alle Mittel nutzen, um den Zuschauer noch stärker in die Geschichte mit einzubeziehen und die Emotionen intensiver zu erfahren? Warum sollte man ihm dieses Erlebnis vorenthalten? In den ganzen Jahrzehnten der Filmgeschichte haben wir alle Filme immer nur mit einem Auge betrachtet, weil wir die räumliche Wahrnehmung durch das zweite Auge einfach ausgeschaltet haben. Das können wir jetzt ändern.

Werden in Zukunft auch große Kinofilme in 3D geplant, oder waren „Avatar“ und „Ice Age“ Ausnahmen?
Es ist genau umgekehrt: In Hollywood werden kaum mehr große Filme in 2D geplant. Und es gibt keinen Animationsfilm dort, der noch in 2D gemacht würde, aber auch „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, Teil 2, oder „Fluch der Karibik 4“ kommen in 3D. Auch die deutsche Firma Constantin dreht in 3D, etwa den neuen Wickie-Film.

Wie sieht der Fortschritt bei den Kinos aus?
Heute gibt es kaum mehr ein Kino, das auf Digitalprojektion umstellt, ohne gleichzeitig auch auf 3D umzustellen. Von den etwa 4000 Leinwänden in Deutschland sind heute bestimmt schon rund 500 bis 600 für 3D-Filme ausgerüstet. 3D-Liveübertragungen können ein neues Geschäftsmodell für Kinos werden, etwa für Konzerte oder Fußballspiele. Schon bei der Fußball-WM 2010 gab es sieben Kinos in Deutschland, die Spiele in 3D gezeigt haben.

Wie ist Ihre Einschätzung für die Zukunft? Wo liegen noch die größten Hürden?
Das Ganze ist ein Henne-Ei-Problem. Heute ist der Anreiz für den Verbraucher, sich ein 3D-Display zu kaufen, noch recht gering, weil es noch relativ wenig Inhalte in entsprechender Qualität für Zuhause gibt. Das muss sich noch gegenseitig aufschaukeln. Wenn mehr Content vorhanden ist, werden auch immer mehr Konsumenten die nötigen Geräte kaufen. Was aber schon bald kommen wird, ist eine verlässliche Verbreitung des 3D-Signals.
(Das Interview führte Brigitte Röthlein)

Quelle: Stefanie Heyduck, Fraunhofer Institut, Bilder: Fraunhofer

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